October 29-31, 2015 - Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes / Saarland University of Applied Sciences, Germany
Wir freuen uns, die beiden folgenden Hauptvorträge ankündigen zu können, die diesmal von zwei bedeutenden Vertretern der Angewandten Linguistik gehalten werden.
Herr Professor Dr. Dieter Wolff (Wuppertal) spricht zum Thema:
und
Hauptvortrag I
Professor Dr. Dieter Wolff (Wuppertal):
Abstract
Die Fremdsprachendidaktik: Eine Disziplin im Spannungsfeld von Theorie (Anspruch) und Praxis (Wirklichkeit)
Abstract
Die Fremdsprachendidaktik beschäftigt sich
mit dem Lernen von Fremdsprachen in institutionellen Kontexten. Während sie
zunächst den schulischen Erwerb der modernen Fremdsprachen nach dem Vorbild des
grammatikorientierten Zugangs zu den alten Sprachen modellierte, entwickelte
sie in einer zweiten Phase, beeinflusst von strukturalistischen Vorstellungen
einer deskriptiv orientierten Linguistik und einer behavioristisch orientierten
Lernpsychologie, Konzepte des Sprachlernens, die stärker auf den mündlichen
Gebrauch der Fremdsprachen ausgerichtet waren, sich aber durch ein
mechanistisch geprägtes Verständnis vom Lernen
charakterisierten. Erst in den letzten vierzig Jahren hat sich, wiederum
beeinflusst durch jüngere lernpsychologische, linguistische und
psycholinguistische Strömungen, ein Verständnis vom Erwerb einer Fremdsprache
entwickelt, das stärker prozessorientiert auf die Kompetenzen fokussiert, die
zum Gebrauch einer Sprache erforderlich sind. Jede dieser
fremdsprachendidaktischen Schulen war bzw. ist also verankert in einer sprachwissenschaftlichen
und lernpsychologischen Theorie, die eine bestimmte epochale Grundströmung
widerspiegelt. Jede dieser Schulen hat aber auch versucht, eine Theorie der
Praxis der jeweiligen Theorie zu entwickeln, die als Leitbild für die konkrete
Unterrichtspraxis dienen und die Umsetzung in das praktische
Unterrichtsgeschehen erleichtern sollte. Dies ist in den verschiedenen
fremdsprachendidaktischen Schulen in unterschiedlichem Maße gelungen.
In meinem Vortrag möchte ich dieses
Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis für die aktuell beobachtbaren und zum
Teil miteinander konkurrierenden fremdsprachendidaktischen Ansätze ausloten und
gleichzeitig verdeutlichen, inwieweit die theoretischen Ansprüche in der
schulischen Wirklichkeit realisiert werden können. Neben einem häufig
anzutreffenden eher eklektischen Ansatz, der vor allem auf persönlichen
Erfahrungen der Lehrpersonen rekurriert und nur selten einer Theorie
verpflichtet ist, sind es vor allem drei Strömungen, die ich zu identifizieren
vermag: (1) die so genannte kommunikative Didaktik in ihren verschiedenen
Spielarten, die zumindest von der Theorie her heute als mainstream Fremdsprachendidaktik bezeichnet werden kann, (2) der
Ansatz, der mit dem Stichwort Lernerautonomie verbunden ist und in der unterrichtlichen
Praxis in Deutschland bisher kaum vertreten ist, und schließlich (3) das so
genannte bilinguale Lehren und Lernen, bei dem ein Sachfach in der Fremdsprache
vermittelt wird. Gerade dieser Ansatz tritt im tertiären Bildungsbereich immer
stärker in den Vordergrund. Die drei zuletzt genannten Ansätze werden im
Mittelpunkt meines Vortrags stehen.
Biodata
Dr. Dieter Wolff ist
emeritierter Professor für Angewandte Psycholinguistik an der Bergischen
Universität in Wuppertal. Seine Forschungsschwerpunkte sind Sprachverarbeitung
in einer zweiten Sprache, Schulischer Fremdsprachenunterricht und Bilinguale
Erziehung. Er war sechs Jahre Vizepräsident der AILA (Association
Internationale de Linguistique Appliquée) und über Jahre hinweg Mitherausgeber
dreier Zeitschriften zur Angewandten Linguistik und zum Fremdsprachenunterricht
(Die Neueren Sprachen, Neusprachliche Mitteilungen aus Unterricht
und Praxis, International CLIL
Research Journal). Zurzeit berät er verschiedene europäische Regierungen im
Hinblick auf den Bilingualen Sachfachunterricht. Ein besonderer Schwerpunkt
seiner Beratertätigkeit im nationalen Rahmen liegt auf dem früh beginnenden
Fremdsprachenunterricht.
Er nahm an einer
Reihe von europäischen Projekten teil, z.B. zuletzt in dem von der EU
finanzierten CCN-Projekt (CLIL Cascade Network) und einem Projekt zur
Entwicklung von Curricula für die CLIL-Lehrerausbildung, das vom Europarat
finanziert wurde. Ein Projekt mit dem Goethe Institut Mailand zum Bilingualen
Sachfachunterricht wurde vor wenigen Monaten abgeschlossen. Das in diesem
Zusammenhang entstandene Buch CLIL in
deutscher Sprache in Italien – Ein Leitfaden, das auch in italienischer
Übersetzung vorliegt, ist im italienischen CLIL-Kontext inzwischen weit verbreitet.
Zurzeit arbeitet er
als wissenschaftlicher Berater für den Schulverlag Plus in Bern an der
Entwicklung eines Französischlehrwerks (Mille
feuilles/Clin d‘oeil) für den Anfängerunterricht. Es geht hier darum,
Lehrmaterialien zu entwickeln, die auf neuen fremdsprachendidaktischen
Konzepten basieren, d.h. schülerorientiert und authentisch sind.
Seine
Veröffentlichungsliste umfasst 12 Bücher und mehr als 220 Artikel in
wissenschaftlichen Zeitschriften, Handbüchern und Sammelbänden. Seine
Buchveröffentlichung Fremdsprachenlernen
als Konstruktion: Grundlagen einer konstruktivistischen Fremdsprachendidaktik
wurde 2002 von Peter Lang veröffentlicht und erschien 2009 in der zweiten
Auflage. Zum bilingualen Sachfachunterricht veröffentlichte er mehr als 30
Aufsätze in renommierten internationalen Zeitschriften und in Sammelbänden.
Hauptvortrag II
Prof. Dr. Wolfgang Teubert (Birmingham, United Kindom):
Foreign
languages – new horizons
Abstract
Foreign
languages
give us the opportunity to
discover exciting new worlds, and offer
us a new perspective on our own world. For the worlds we experience
are less the reality as it 'really' is than what we are told about
them,
and this applies to the
natural, the social and the spiritual world, the world of ideas. What
for the German is a Schloss,
can
be a castle,
a palace
or a manor
house in
Britain,
and for the English mind,
the dictionary gives us esprit
or raison
in French, and Geist
or Verstand
in German. But do these words really mean the same?
The
desire to understand
foreign cultures may have been the traditional reason to study
foreign languages. Competitive schools tell us that speaking foreign
tongues is part of being 'ein allseits gebildeter Mensch' in Germany,
or a ‘gentleman’ in Britain. However, below the surface of such
noble
motives often
lurk more selfish considerations: To get a top job where you can earn
loads of money, the knowledge of foreign languages is as essential as
parents with the right background and connexions. This is the message
of private schools not only in Britain, but there in particular, and
there it goes together with a hardly concealed discouragement at
state schools to take up languages. Some states, like Luxembourg -
and soon also Saarland, we hope - are pursuing more egalitarian
goals: by making the whole population bilingual or multilingual, they
create a polyglot society, which not only affords better job
opportunities but also a familiarity with different cultural
perspectives of the world we encounter.
How
can such goals be approached? I plead for an awareness of the
differences between languages. This means I am in conflict with the
pervasive British model of teaching the target language without
recourse to the learners' native language. For generations, Britain
has been sending out English teachers to the wide world who often
don’t speak the local lingo. Teaching English abroad or at home has
become an important asset of the British economy: “With
over 20,000 ESL teaching jobs available monthly, English as a Second
Language teachers are in high demand globally.”
(http://www.oxfordseminars.ca/teach-english-abroad/20000-esl-jobs.php)
As
we know from migrant classes in Germany, this model also has the
advantage of being cost-effective, as learners speaking different
native languages can be taught together. But it fails to make us
aware of cultural differences and correspondences. We are taught
which words collocate with mind,
so that we can emulate the typical English language user. Yet, we
fail to notice how different this concept is from the German Geist
or the French esprit.
Of
course, teaching foreign languages means, first of all, teaching
rules – rules describing how the target language is used. Following
these rules is important – it makes what we say acceptable. But it
is also important to understand their limitations. For the ultimate
goal of foreign language learning should be to get to the point where
the speaker’s creativity takes over, where he or she begins to
contribute something new to the host discourse. By offering us new
perspectives, a foreign language gives us the opportunity to reflect
on the role language in general has for understanding the world in
which we find ourselves.
Biodata
Since 2014, I am emeritus professor at the University of Birmingham. Having been the chair of corpus linguistics, I have now gradually moved towards discourse analysis.
As a linguist, I am interested in meaning more than in anything else. There are many other fields, for instance the study of the language system with its universal laws and arbitrary rules, the study of pragmatics, aimed at explaining how we understand each other beyond the confines of the language system, and the study of language variation and of language change. Meaning, however, is not a matter of the mechanics of a language system. Meaning is constructed through the symbolic interactions of the members of a discourse community. Only the analysis and comparison of discourses can shed light on meaning. Corpus linguistics provides a methodology helping us to find the textual evidence for the meaning of lexical items. The meaning of a lexical item, as I understand it, is co-extensive with the knowledge of the discursively constructed object for which this item stands. There is no point in distinguishing lexical meaning from encyclopaedic meaning. The aim of linguistics, as I see it, is to reconstruct the often implicit but sometimes explicit negotiations going on in discourse communities shaping meaning. For meaning is never fixed. Every new contribution to discourse adds something to what has been said before.
Here are some of my more relevant publications in recent years:
(2010) Meaning, Discourse and Society. Cambridge: Cambridge University Press.
(2012) Is pragmatics the answer to our quest for meaning?, in: Language and Dialogue 1, 1.
(2012) Democracy and web-based dialogue. In: Francois Cooren and Alain Létourneau (eds.): Dialogue and Representation. Amsterdam: Benjamins.
(2013): Was there a cat in the garden? Knowledge between discourse and the monadic self. In: Language and Dialogue Vol. 2, 2.
(2013) Die Wirklichkeit des Diskurses. In: Dietrich Busse and Wolfgang Teubert (eds.): Linguistische Diskursanalyse - Neue Perspektiven. Wiesbaden: VS Verlag.
(2014) Die Bedeutung von Sprachkritik für die Demokratie. In: Aptum 02, 98-114.
Praktische Fremdsprachenvermittlung international: Fremdsprachendidaktische Anregungen der 3. Saarbrücker Fremdsprachentagung (Informelle Website-Publikation) / Practical Foreign Language Teaching from an International Perspective: Methodological Contributions to the Third Saarbrücken Conference on
Foreign Language Teaching (Informal Website Publication):
Abonnieren
Posts (Atom)